23.08.2017

Auch Bienen gern gesehene Besucher

aus der Badischen Zeitung vom 23. August 2017.

Zu den ökologischen Projekten auf dem künftigen Wasserpark-Gelände gehört neuerdings auch ein Bienen-Pavillon.

RUST. Eine neue, süße Erinnerung an den Europa-Park-Besuch ist in Arbeit: Blütenhonig aus eigener Herstellung und von eigenen Bienenvölkern, die sich an eigenen Blühwiesen laben. Acht Völker mit etwa 50 000 Bienen pro Volk verrichten seit dem Frühjahr auf dem Gelände des künftigen Wasserparks ihren Job. Jürgen Sedler hat in der Südwestecke des Geländes eigens einen iglu-förmigen Pavillon für die Bienenstöcke errichten lassen. "Auch diese Besucher sollen sich bei uns rundum wohlfühlen", schmunzelt der Chef der Europa-Park-Gärtnerei.

Dass der Bienenpavillon sich einmal zu einer eigenen Attraktion auf dem etwa 40 Hektar großen Wasserpark-Gelände entwickeln könnte, sieht Jürgen Sedler derweil nicht: "Wir wollen die Bienen in Ruhe ihrem Geschäft nachgehen lassen. Außerdem sind Bienenschwärme, wenn sie von allzu neugierigen Menschen gestört werden, ja nicht ganz ungefährlich." Nicht ausschließen will der Gärtnermeister indes, dass der Pavillon Ziel von Naturexkursionen in Kooperation mit dem Naturschutzzentrum Rheinauen und der Gemeinschaftsschule werden könne. Ebenso wie ein künstlich angelegtes Biotop mit einer von Menschenhand gestalteten froschartigen Gestalt aus Gehölz im Zentrum und nahe der Scherenschleifer-Unterführung gelegen. Dort fühlen sich inzwischen schon einige Eidechsenarten heimisch.

"Auf dem Wasserpark-Areal trifft Ökologie auf Gestaltung," umschreibt Sedler mit markigen Worten die beiden Projekte. Zwei einer ganzen Latte, die im Zusammenhang mit ökologischen Ausgleichsmaßnahmen rund um das neue Hotel- und Wasserwelt-Projekt der Unternehmerfamilie Mack stehen.

Um den Vorgaben der Behörden auf Ausgleich für durch das Großprojekt versiegelten Flächen und Einschnitte in die Natur nachzukommen, hat der Europa-Park eigens eine Arbeitsgruppe Ökologie unter der Leitung von Jürgen Sedler und Ann-Kathrin Mack, der Tochter von Europa-Park-Chef Roland Mack, gebildet. Die Gruppe von Landschaftsgestaltern und Experten aus Naturschutz, Forst und Landwirtschaft sowie Jagd kommt mindestens einmal im Monat zum Austausch zusammen, um laufende Projekte zu beraten und zu kontrollieren und neue anzustoßen. Dazu gehören etwa die Anbringung einiger Hundert Nistkästen für Haussperling oder Kohlmeise oder die Aufforstung mit 1300 Eichen im Bereich der sogenannten Eisernen Hand im Oberwald oder die Aussaat auf einer Fläche von zwölf Hektar, auf der inzwischen eine Blumen-, Kräuter- und Blütenwelt geradezu explodierte und zum beliebten Flugfeld von Bienenvölkern mutierte.

Unterdessen bleibt unter Jägern und Artenschützern ein anderes Ausgleichsprojekt nach wie vor kritisch beäugt: der künstliche Wildkorridor am östlichen Rand des Wasserpark-Areals. Die Scherenschleifer-Unterführung ist Bestandteil dieses Korridors. Mit 3,5 Kilometern gesetzten Wildschutzzäunen nördlich der Ringsheimer Straße und entlang des Zubringers zum Europa-Park sollen einem Trichter gleich Wildschwein und Rehwild in die Betonröhre beim Scherenschleifer gelenkt werden, damit das Wild in Nordsüdrichtung Wasserparkareal "umwandern" und Ringsheimer Straße "unterwandern" können. Im Bereich der Zäune funktioniere die Wildabweisung schon ganz gut, so die Einschätzung von Ranger und Jäger Alexander Schindler vom Naturzentrum Rheinauen.

Etwas trivial wirkt in diesem Zusammenhang die Fragestellung in der Runde, wer eigentlich für die Pflege der Straßenbankette zwischen Zaun und Ringsheimer Straße sowie Zubringer zu sorgen und aufzukommen habe. "Zubringer ist klar Kreisangelegenheit, bei der Ringsheimer Straße muss eine vertragliche Regelung zwischen Park und der Gemeinde gefunden werden", erklärt Sedler. Auch solche Details sind Themen in der Runde.

Viel spannender erscheint indes die Fragestellung, ob die Korridorlösung auch für die Fledermäuse als sichere Flugbahn von Nieder- in Oberwald dienlich sein kann. Über das Futterangebot lasse sich die Flugbahn der Fledermäuse beeinflussen. Futter heißt bei Fledermäusen: Insekten. Gesäumt wird die Futterallee deshalb mit sogenannten gebietsheimischen Bäumen und Sträuchern wie Hainbuche, Striegelarten, Wildkirsche, Apfel- und Birnenbäumen. Insbesondere Birnen sondern Duftstoffe aus, die Insekten liebten. "Wo die Fledermäuse Futter finden, werden sie auch fliegen. In der Schweiz funktionieren solche Futteralleen schon sehr gut", weiß Gerhard Babik, Landschafts- und Umweltplaner aus Freiburg. In Deutschland gebe es allerdings noch kein vergleichbares Projekt, sagt der Spezialist allerdings auch. Und: Auch Tiere würden einen Lernprozess durchlaufen und sich auf die neue Umwelt einstellen müssen. Mit einem sogenannten Monitoring, das auf fünf Jahre angelegt ist, soll dieser Prozess begleitet werden.


veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung

23. August 2017

Autor: Klaus Fischer