22.07.2016

Rangerworkshop in Rust (kopie)

aus der Badischen Zeitung vom 23. August 2017.

Joshua packt der Ehrgeiz. Schwungvoll fährt er mit dem Schaber über den Feuerstahl, wieder und wieder, bekommt darüber ganz glühende Backen. Und tatsächlich: Funken glimmen, das Zundernest flammt kurz auf - um keinen Atemzug später zu verlöschen. Immer noch kein Feuer, die Mägen der Kinder knurren schon und fast hat es den Anschein, als würde die Outdoorküche im Naturzentrum Rheinauen bei Rust heute kalt bleiben.

Dabei sind die 13 jungen Nachwuchsranger im Alter von fünf bis zehn Jahren extra zum Workshop gekommen, um aus heimischen, teils selbst gesuchten Zutaten über dem Lagerfeuer Leckeres zu brutzeln. "Was wir kochen? Ich wette, das habt ihr noch nie gemacht", hatte Rangerin Sabine zu Beginn angekündigt. Dann ging es Richtung Grillplatz im Klimawandelgarten, wo nun alle versuchen, das Feuer in Gang zu bringen.

Ebenso spannend wie das Feuermachen ist der Schauplatz dieses Rangerworkshop, wie einer der Steppkes bemerkt: "Warum heißt das Klimawandelgarten?" Das ist schnell erklärt: Der Klimawandelgarten, der erste in Deutschland, gehört zum Naturzentrum Rheinauen und zeigt in einem hügeligen, wunderschönen Park mit Wissens- und Mitmachstationen, die der Klimawandel funktioniert. Denn neben forstwirtschaftlichen und naturschützerischen Aufgaben im Gebiet Taubergießen und den Elzwiesen ist vor allen Dingen die Umweltbildung, für die das Naturzentrum-Team schon mehrere Preise eingefahren hat.

Dass das Draußensein in der Natur Spaß macht, haben die Mädchen und Jungen schon längst gemerkt. Mittlerweile knistert ein Feuerchen, das sie, na ja, mit ein bisschen neumodischer Feuerzeughilfe, aber ganz viel Handarbeit schließlich doch noch in Gang gebracht haben. Während das größer wird, ist es Zeit zum Zutaten sammeln. Der Kräutergarten liegt im Zentrum der Anlage, mit prima Blick über das gesamte Gelände. In der Ferne kreischen die Insassen der Blue-Fire-Bahn des Europa-Park, im Garten jauchzen die Kinder vor Entzücken. Sie streichen mit den Händen über kräftig duftende Rosmarinstauden, riechen am Oregano,zupfen Lauch und Schnittlauch für den Quark.

Dann geht es ans Schnippeln - eine Herausforderung für so manche Kinderhände. "Ich kann das nicht, die werden bei mir so breit", jammert Marlon. Rangerin Sabine macht vor, wie das besser klappt mit dünnem Lauch. "So. Und jetzt zeige ich euch, was wir für den nächsten Gang, das Spiegeleibrot brauchen." Aus einer Brotscheibe schneidet sie ein Oval heraus. Das Brotinnere gibt mit dem Kräuterquark die Vorspeise. Die ausgehölten Brote wandern auf die Grillpfanne. Dann schlagen die Mutigen unter den Kindern Eier auf und balancieren sie in das Brotloch: "Wow, ich hab' das perfekte Spieleiboot" jubelt einer.

Während alle zufrieden den Hauptgang futtern - auch diejenigen, die zuvor behauptet hatte, "sowas niiiiiiie zu essen", köchelt schon die nächste Überraschung in der Pfanne. "Kommt ihr mal zur Schokoschmelze?", ruft Sabine ihre Jungranger wieder ans Feuer. Dort löst sich unter der lautstarken Begeisterung der Schleckermäuler Kuvertürenstücke cremig auf, so dass die Erdbeeren allesamt mit Schokomützen in Münder wandern: "Mhhm, Leckerschmecker, das ist soooooo gut."

Beim Programm ginge es ihr um das große Ganze, erklärt Rangerin Sabine: "Wir essen das, was es jetzt gerade gibt. Wir haben gekaufte Eier mit denen verglichen, die von eigenen Hühnern mitgebracht habe. Es geht um Nachhaltigkeit und darum, dass sie merken, wie vielfältig alles ist. Ich möchte meine Liebe, die ich zur Natur habe, den Kindern weiter vermitteln." und guckt man in die zufriedenen Gesichter ringsum, hat das geklappt.


veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung

22. Juli 2016

Autor: Anita Fertl